Report · Bürgerenergie

Energiegenossenschaften: 3.771 eGs treiben die Bürgerenergie

Zusammen betreiben Deutschlands Energiegenossenschaften 18.595 EE-Anlagen mit 2,4 GW installierter Leistung. Dieser Report zeigt Technologie-Mix, Top-Bürger-Projekte, regionale Schwerpunkte und den Zubau-Trend seit 2004.

Datenstand: 23.4.2026

Genossenschaften
3.771
eGs als Anlagenbetreiber
Anlagen
18.595
Ø 4,9 Anlagen je eG
Leistung
2,4 GW
Ø 641 kW je eG
Zubau 12 Monate
154,3 MW
2.209 neue Anlagen

Welche Technologien betreiben Genossenschaften?

Solar dominiert nach Anzahl der Anlagen (zehntausende Dachprojekte), Wind dominiert fast nach Leistung (einzelne Bürger-Windparks mit mehreren MW). Biomasse und Speicher spielen eine Nebenrolle.

Solar
1,4 GW
Wind
802,2 MW
Biomasse
179,2 MW
KWK / Verbrennung
33,4 MW
Speicher
23,7 MW
Wasser
7,9 MW

Die größten Energiegenossenschaften

Top-15 nach installierter Leistung der Anlagen, die im MaStR auf den eG-Betreiber registriert sind. PROKON ist mit 474 MW ein Ausreißer (ehemalige GmbH, 2015 aus der Insolvenz als Genossenschaft reorganisiert). Die meisten Genossenschaften liegen bei 10-50 MW.

1
PROKON Regenerative Energien eG
458,2 MW
2
Raiffeisenbank Küps-Mitwitz-Stockheim eG
47,7 MW
3
Bürgerwindpark Janneby eG
41,0 MW
4
VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden e.G.
36,4 MW
5
Smart Solar Verwaltung eG
35,7 MW
6
VR Bank Nord eG
34,6 MW
7
Consilium Erneuerbare Energien eG
27,7 MW
8
BürgerEnergie Niederbayern eG
27,1 MW
9
NEW - Neue Energien West eG
25,0 MW
10
BürgerEnergie Issum eG
17,7 MW
11
BürgerWIND Westfalen eG
16,6 MW
12
Energiegenossenschaft Lehrte-Sehnde eG
16,4 MW
13
GenoEnergie Karlstadt eG
13,0 MW
14
Windfang Energie eG
12,6 MW
15
LEW BürgerEnergie e. G.
12,4 MW

Wo sind Genossenschaften aktiv?

Bundesländer nach installierter Leistung der Anlagen von Genossenschaften. Der Standort wird aus der Anlage abgeleitet — nicht aus dem Sitz der Genossenschaft.

1
Bayern
508,6 MW
2
Sachsen-Anhalt
374,3 MW
3
Nordrhein-Westfalen
244,8 MW
4
Baden-Württemberg
225,3 MW
5
Niedersachsen
213,1 MW
6
Brandenburg
196,4 MW
7
Thüringen
131,6 MW
8
Sachsen
127,1 MW
9
Schleswig-Holstein
123,6 MW
10
Rheinland-Pfalz
84,5 MW
11
Mecklenburg-Vorpommern
84,2 MW
12
Hessen
66,3 MW
13
Hamburg
16,4 MW
14
Saarland
15,0 MW
15
Berlin
3,8 MW
16
Bremen
2,8 MW

Wann kamen die Genossenschafts-Anlagen ans Netz?

Jährliche Inbetriebnahme von Anlagen, die heute auf einem eG-Betreiber registriert sind. Peak 2010-2013 fiel mit der Hochphase der festen EEG-Einspeisevergütung zusammen. Nach Jahren des Rückgangs führt die Energiekrise ab 2023 zu einem neuen Boom — 2682 Anlagen allein 2024.

2004
147
2005
254
2006
276
2007
241
2008
373
2009
660
2010
1.394
2011
1.424
2012
1.013
2013
783
2014
482
2015
305
2016
307
2017
340
2018
521
2019
597
2020
676
2021
574
2022
568
2023
1.614
2024
2.682
2025
2.366
2026
613

Zahlen, die überraschen

Wusstest du?
Die älteste noch aktive Genossenschafts-Anlage stammt vom Januar 1909 — eine Wasser-Anlage der Genossenschaftliches E-Werk Asch-Leeder e.V. in Bayern.
Wusstest du?
Die leistungsstärkste Einzelanlage in Genossenschaftsbesitz: 13,4 MW Solar von Raiffeisenbank Küps-Mitwitz-Stockheim eG in Bayern.
Wusstest du?
Die meisten aktiven Genossenschaften haben ihren Anlagen-Schwerpunkt in Bayern: 738 eGs mit mindestens einer Anlage dort.
Wusstest du?
Das stärkste Zubau-Jahr war 2024 mit 2.682 neuen Genossenschafts-Anlagen.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkennt dieser Report Energiegenossenschaften?
Alle Anlagen, deren Anlagenbetreiber im Marktstammdatenregister (MaStR) mit der Rechtsform "eG" (Eingetragene Genossenschaft) registriert ist. Das schließt reine Energiegenossenschaften, VR-Banken mit PV-Dächern und Bürgerwind-Genossenschaften ein. Bürger-Windparks in der Rechtsform "GmbH & Co. KG" werden nicht erfasst — das MaStR-Feld `buergerenergie` wäre der theoretisch bessere Proxy, ist in der Praxis aber sehr lückenhaft gepflegt.
Warum ist PROKON mit Abstand die größte Genossenschaft?
PROKON Regenerative Energien eG entstand 2015 aus der Insolvenz der PROKON GmbH als Genossenschaft mit rund 39.000 Mitgliedern. Sie übernahm das operative Windpark-Portfolio und ist damit eher ein Unikat — eine ehemalige Kapitalgesellschaft, die nach Insolvenz zu einer der größten Energiegenossenschaften Europas wurde.
Hat sich das Genossenschafts-Modell nach der Zinswende 2022 abgekühlt?
Ja, zunächst. 2021-2022 war der Zubau mit rund 570 Anlagen pro Jahr deutlich unter dem Peak 2010-2013. Seit 2023 aber gibt es einen starken Wiederanstieg: 2024 wurden 2.676 Anlagen neu in Betrieb genommen — das ist fast der höchste Jahreswert im Datensatz. Das dürfte eine Kombination aus Solarpaket I, fallenden Modulpreisen und der durch die Energiekrise ausgelösten Bürgerenergie-Aufmerksamkeit sein.
Wie groß ist der Marktanteil der Genossenschaften am EE-Zubau?
Über alle Technologien hinweg niedrig: etwa 1 % der installierten Solar-Leistung, 1 % bei Wind und 2 % bei Biomasse. Die Stärke der eGs liegt nicht in der Leistung, sondern in der Verankerung: tausende Genossenschaften verteilen Beteiligung auf zehntausende Bürger und schaffen damit die gesellschaftliche Grundlage für den EE-Ausbau.
Quelle: Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur. Filter: Anlagen in Betrieb, deren Anlagenbetreiber die Rechtsform eG (Eingetragene Genossenschaft) hat. Bürger-Windparks in anderen Rechtsformen (z.B. GmbH & Co. KG) werden nicht erfasst. Stand: 23.4.2026.

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